Sentiero SOSAT

Klettersteigtour in der Brenta
Anne u. Manfred, Linda u. Karl

Die Brenta, westlicher Teil der Dolomiten im italienischen Trentino, ist sicherlich ein Berg-massiv der Superlative. Hervorragend erschlossen durch eine Vielzahl von Hütten und ein dichtes Netz von Wegen und Klettersteigen, ist die Brenta ein Paradies für Tourengeher und Kletterer gleichermaßen.

Insbesondere die spektakuläre Anlage von Klettersteigen über ausgesetzte Grate, senkrechte Felsleitern und Felsbänder mit atemberaubenden Tiefblicken in einer traumhaften Berglandschaft machen ihren Reiz aus.

Als Klettersteigneulinge hatten wir uns den Sentiero SOSAT als vergleichsweise leichte Einstiegsroute ausgewählt.

Mit dem Auto ging es zunächst von unserem Quartier in Molveno nach Madonna di Camiplio, dem italienischen Nobelskiort zwischen Brenta- und Presanellagruppe. Die Grosteseilbahn brachte uns zum Passo del Groste in 2400m Höhe. Dort begann unser Wanderung auf dem Weg 316 leicht absteigend zum Riffugio del Tuckett (2270m), benannt nach dem englischen Alpinisten Francis Fox Tuckett.

Der gut ausgebaute Steig führt durch ein Felssturzgebiet mit herrlichen Ausblicken auf die gegenüberliegenden Gipfel der Adamello- und Presanellagruppe. Nach 75 Minuten Gehzeit erreichten wir die beiden Schutzhütten Rif. Q. Sella und Rif. F.F. Tuckett, die in einem Talkessel unterhalb der Bocca del Tuckett liegen. Auf beiden Hütten herrschte Hochbetrieb, denn hier kreuzen sich eine ganze Reihe von Höhenwegen und Wanderrouten.

Nach einer kurzen Rast stiegen wir auf Weg 303 hinauf bis unter die Moräne des Tuckett-Gletschers. Hier biegt der Weg 305B südwärts zum Einstieg in den Klettersteig ab. Nach dem Anlegen der Klettegurte erwartete uns zunächst eine einfache Kletterei durch ein Felssturzgebiet, gesichert durch Seile, Klammern und Leitern. Eine gute Gelegenheit, die Handhabung des Klettersteigsets an den Sicherungseinrichtungen zu üben.

Anspruchsvoller wurde schließlich die Querung einer tiefen Felsschlucht. Ein Nebelfeld ließ uns nur erahnen, wie tief die Wand wirklich unter uns abfiel. Über mehrere Leitern geht es zunächst abwärts zu einem Felsblock, über den die Schlucht überquert wird. Auf der anderen Seite führt eine senkrechte, leicht überhängende Leiter in 51 Stufen aufwärts auf ein Fels-band. Auf diesem Band, recht ausgesetzt, jedoch gut gesichert zieht sich der Pfad um eine Bergkante hoch über dem Val Brenta.

Nach dem steilen Abstieg durch einen Felskamin endet der Klettersteig. Glücklicherweise war das Rifugio Brentei (2182m) bereits zu sehen, denn es begann leicht zu regnen. Nach 2,5 Stunden erreichten wir die Hütte, wo wir aufgrund des einsetzenden Regens eine ausgiebige Pause einlegten.

Anschließend erfolgte der lange Abstieg in Richtung Madonna di Campiglio, vorbei am Rifugio Casinei (1825m) und von dort durch den Wald bis zum Rifugio Vallesinella, einem Gasthaus, das von vielen Wanderern als Ausgangsort für Touren in der Brenta genutzt wird.

Per Bustaxi legten wir den restlichen Weg zum Parkplatz an der Grosteseilbahn zurück.

Eine beeindruckende Tour in das Herz der Brenta hatte die Lust auf weitere Klettersteige geweckt.